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Hilfen erfordern hohen Aufwand

09.09.2026 Bindestrich Redaktion

„Die Kosten können einzelne Kreise stark treffen“

Dr. Olaf Gericke, Landrat des Kreises Warendorf und Präsident des Landkreistags Nordrhein-Westfalen, zu den Herausforderungen besonders schwieriger Jugendhilfefälle für die Kommunen.

Herr Dr. Gericke, es gibt zahlreiche Berichte über die Zunahme hochkomplexer Jugendhilfefälle. Was ist Ihre Beobachtung?

Auch wenn es keine einheitliche fachliche Definition für „hochkomplexe Jugendhilfefälle“ gibt, handelt es sich aus Sicht vieler Jugendämter häufig um Kinder und Jugendliche mit besonders herausforderndem Verhalten, teilweise verbunden mit Selbst- oder Fremdgefährdung sowie hohem Unterstützungsbedarf. Die Betroffenen haben oftmals bereits verschiedene ambulante oder stationäre Hilfen durchlaufen, ohne dass eine dauerhafte und passende Unterstützung gefunden werden konnte. Die Fallbearbeitung erfordert häufig individuelle Lösungen, die über die regulären Angebote einzelner Träger oder Fachbereiche hinausgehen. Die erforderlichen Hilfen sind häufig mit einem hohen personellen und finanziellen Aufwand verbunden und binden erhebliche Ressourcen.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Jugendämter angesichts solcher Fälle?

Die größte Herausforderung besteht in der fehlenden Planbarkeit solcher Fälle. Jugendämter müssen oftmals kurzfristig handeln, wenn andere Hilfesysteme an ihre Grenzen stoßen. Dann sind häufig individuelle Betreuungskonzepte und die Zusammenarbeit mehrerer Leistungserbringer erforderlich. Zudem sind Einrichtungen der Jugendhilfe für besonders komplexe Bedarfe nicht immer personell oder konzeptionell ausgelegt. Darüber hinaus ist die Koordination zwischen Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Justiz und weiteren Beteiligten mit einem hohen Aufwand verbunden. Angesichts dieser Herausforderungen können für einzelne Kommunen erhebliche finanzielle Belastungen entstehen. Die Kosten verteilen sich je nach Fallaufkommen unterschiedlich und können einzelne Kreise besonders stark treffen.

Wo sehen Sie Lösungswege?

Vor Ort könnten feste Kooperationsstrukturen und gemeinsame Fallbesprechungen dazu beitragen, frühzeitig passende Hilfen zu entwickeln. Für besonders komplexe Fälle werden überregionale Lösungen und eine breitere Verteilung von Verantwortung und Kosten diskutiert. Fachliche Kompetenzen verschiedener Systeme könnten stärker gebündelt und gemeinsame Unterstützungsangebote weiterentwickelt werden. Ziel ist es, die Versorgung der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu verbessern und gleichzeitig die kommunale Jugendhilfe zu entlasten.

Interview: Annette Kiehl, Martin Zehren